Bäume

Eine kunterbunte Baum-Kolumne: Stadtbäume und was sie alles aushalten müssen, Klima und Bäume, Naturdenkmäler, Mythen und Sagen, große und kleine Baumbewohner, Anatomie und Physiologie der Bäume, Ökologie und Evolution, Nutzung und Nutzen ...

Eindrucksvolle Flurbäume sind im Kölner Umland selten: Die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächen sind zu aufgeräumt für Baum-Senioren, die unproduktiv in der Gegend herumstehen. Daher dient mir hier ein Gegenlicht-Kitschfoto von einer Heide-Winterwanderung in der Eifel als Aufhänger, um auf das schöne Blog von Rudolf Rippel hinzuweisen. das den Flurbäumen zwischen Freising und Pfaffenhofen gewidmet ist.

Frühling liegt in der Luft. Höchste Zeit, einen eher herbstlichen Artikel fertigzustellen: Was passiert eigentlich beim Laubfall? Sterben die Blätter einfach durch Kälte oder Lichtmangel ab und segeln zu Boden? Natürlich nicht. Der Abbau des Chlorophylls, die Einlagerung von Abfallstoffen in die Blätter, der Abtransport der Nährstoffe über die Zweige und Äste in den Stamm und die Wurzeln, schließlich das Abklemmen der Leitungen an den Sollbruchstellen der Blattstiele: All das sind aktive, gesteuerte Vorgänge, die allgemeinen Regeln folgen, aber auch artspezifisch und umgebungsbedingt variieren.

Sehen wir uns zunächst einige ganze Bäume an, um herauszufinden, wie der Laubfall abläuft. Danach wenden wir uns den einzelnen Blättern zu.

Jeden Herbst gibt es diese relativ lange Phase, in der bestimmte Bäume schon kahl sind, während andere noch keine Anstalten machen, ihr Laub abzuwerfen oder auch nur umzufärben. Kurios ist das in Fällen wie diesem: 

Die beinahe kahlen Silhouetten im Hintergrund sind Schwarz-Pappeln. Die noch voll belaubten Säulen vorne: ebenfalls Schwarz-Pappeln. Tja. Aber während es sich bei den großen Bäumen im Hintergrund wohl um Bastard-Schwarz-Pappeln handelt, stehen etwas weiter vom Rhein entfernt Säulen- oder Pyramidenpappeln, eine Varietät der europäischen Schwarz-Pappel. Durch ihre Wuchsform ist der Transportweg vom Laub bis in den Stamm deutlich kürzer, sodass sie es sich leisten können, das Herbstlicht noch eine Weile zur Photosynthese zu nutzen, bevor sie sich winterfest machen. Außerdem sind weniger hoch und dem Wind nicht so stark ausgesetzt.

Etwas weiter nördlich, am Molenkopf, sind die Linden oben auf dem Damm schön völlig kahl, während ich am Rhein noch unter dem sattgrünen Laub der Silber-Weiden stehe:  

Aber nicht nur zwischen Baumarten oder -varietäten und zwischen exponierten bzw. geschützten Standorten unterscheidet sich der Zeitpunkt des Laubfalls: Auch die unterschiedlichen Zonen eines einzelnen Baums, von der Kronenspitze bis zum Stammfuß, ticken nicht immer synchron. Hier wieder die Linden am Molenkopf, nur zwei Tage zuvor: