
Als ich diese Szene in unserer Straße fotografierte, kam zufällig ein sehr guter Hobbyfotograf auf seinem Rad vorbei, dessen Sujet unser Stadtviertel ist, und rief: "Schöner Anblick, oder?" Ja - und nein. Dieses mediterran anmutende Spiel von Licht und Schatten ist sicher einer der Gründe, warum die Ahornblättrige Platane als Straßen- und Parkbaum bei uns so beliebt ist. Mir ging es aber um etwas anderes: Die Kronen der Alleebäume sind dieses Jahr extrem licht. Ungesund licht. Was steckt dahinter?
Das Phänomen ist an allen Platanen zu beobachten, auf die ich in diesem Frühjahr bzw. Frühsommer geachtet habe. Auch die mächtige Schulhof-Platane vor meinem Arbeitszimmer ist an einigen Stellen regelrecht verkahlt:

Selbst dieses freistehende Exemplar mit seiner beeindruckenden Krone lässt ganz schön viel Himmel sehen:

Der Boden unter den Bäumen ist übersät mit Platanenblättern und -blattstücken, teils grün, teils braun:

Hier ein noch ganz frisch wirkendes Blatt aus der Nähe. Etwas breitet sich entlang der Blattadern aus und lässt auch die Blattspreite welken:

Schließlich wirft der Baum die spröden, braunen Blätter samt Blattstiel ab. Grüne Blätter am Boden wurden dagegen oft von Vögeln abgerissen, was man hier am durchtrennten Blattstiel gut erkennt:

Die Krankheit, an der die Platanen in Köln (und offenbar auch in anderen Städten wie Berlin) dieses Jahr leiden, heißt treffend Platanen-Blattbräune. Der Erreger ist ein Schlauchpilz: Apiognomonia veneta. Er besiedelt im Frühjahr die erste Generation von Blättern, die schließlich abfallen, und die jungen Triebe und Knospen, die welken. Letzteres erkennt man gut an dieser Nahaufnahme eines Zweigs der Schulhof-Platane, an dessen Triebspitze ein ganzes Büschel brauner Blätter hängt - und auch an anderen Stellen welken Blätter und Früchte:

Nach allem, was ich dazu gelesen habe, kommen Platanen mit einem gelegentlichen Befall durch den Schlauchpilz ganz gut zurecht, weil die neuen Blätter, mit denen sie später die Lücken schließen, meist nicht betroffen sind. Der Pilz gedeiht vor allem in feuchten Frühjahren, und das trifft die Lage in Köln in den vergangenen Monaten ganz gut.
Allerdings: Erneute Infektionen in den Folgejahren lassen sich kaum verhindern (etwa durch Entfernen des toten Laubs), da die Pilzsporen in den Knospen und Rindenrissen überwintern. Die Platanenallee vor unserem Haus ist außerdem dauerhaft von einem weiteren Erreger befallen, Macrodiplodiopsis desmazieri oder Splanchnonema platani: ebenfalls ein Schlauchpilz, der die Massariakrankheit verursacht. Und das Niederschlags- und Temperaturmuster wandelt sich: Der Klimawandel kann das Wachstum von Pilzen begünstigen und zugleich langlebigen Organismen wie Bäumen durch mehrjährige Trockenheit, Sommerstürme etc. zu schaffen machen.
Für unsere Straßen- und Park-Platanen können wir wenig tun. Um Unfälle durch das Abbrechen großer Äste an den geschwächten Bäumen zu verhindern, kann man sie nur prophylaktisch stark zurückschneiden. Was wirklich helfen würde: keine fossilen Brennstoffe mehr verbrennen - und so den Klimawandel begrenzen.
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